Abhörsicher durch Quantenphysik?

17.11.2017, 00:00

Wie sensible Daten auch in der Zukunft spionagesicher bleiben können

Bei einer Veranstaltung am Donnerstagabend, 16.11. am Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts sprach Verschlüsselungs-Experte und Max-Planck-Direktor Gerd Leuchs über sichere Datenübertragung und den aktuellen Stand der Forschung. Schirmherr der Veranstaltung Heinrich von Pierer betonte den Wert der Grundlagenforschung, die einen wichtigen Beitrag für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung des Landes leistet.

Was heute als sicherer, geheimer Code gilt, könnte in der Zukunft mit besseren Computern entschlüsselt werden. Am Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts werden Gegenmaßnahmen erforscht: Max-Planck-Direktor Gerd Leuchs berichtete in seinem Vortrag über die Techniken der sogenannten Quantenschlüsselverteilung und erläuterte, wie seine Forschungsabteilung dabei die Gesetze der Quantenphysik nutzt. Denn aufgrund dieser Gesetze hinterlassen Abhörversuche ihre ganz eigenen Spuren - ein Abhörer kann mit dieser Methode nicht mehr unerkannt bleiben. Heinrich von Pierer erzählte in einer Anekdote von seinen ganz eigenen Erfahrungen, nicht abhörsicher zu sein: „Nach einem Gespräch wurde mir auf Rückfrage mitgeteilt, ich sei soeben von mindestens vier Geheimdiensten belauscht worden.“

Die Quantentechnologie ist derzeit international auf dem Vormarsch - starke Nationen in dem Bereich sind Kanada, die USA – hier vor allem die NSA und Firmen wie Google, IBM oder Microsoft - und in Asien vor allem China, das einen ersten Satelliten mit Quantentechnik getestet hat, sowie Japan. Doch auch Deutschland brauche sich auf dem Gebiet mit seinem Stand der Technik nicht zu verstecken, so Gerd Leuchs. Am Institut seien ebenfalls erste Durchbrüche gelungen: „Wir haben in einem Experiment Quanteninformation am helllichten Tag durch die Luft geschickt, zuletzt sogar von einem Satelliten zur Erde. Das ist ein erster Schritt, denn mit einem Satelliten-Netzwerk kann eine globale sichere Datenübertragung möglich gemacht werden.“ So käme man ohne Glasfaserkabel aus, die sich bislang nicht für größere Distanzen eignen, insbesondere noch nicht für die weltweite Quantenkommunikation. Auch wirtschaftlich könnte die Quantenkryptographie in naher Zukunft Anwendung finden: Am MPI formiert sich dazu bereits das Startup „Infiniquant“.

Neue Max-Planck-Institute in der Region sind wünschenswert

Heinrich von Pierer hat seit der Gründung des Max-Planck-Instituts für die Physik des Lichts einen engen Bezug zu der Forschungseinrichtung: Das MPI wurde kurz nach seiner Entstehung 2009 von Siemens mit Räumlichkeiten in der Günther-Scharowsky-Straße unterstützt, bevor es im Oktober 2016 in seinen Neubau umgezogen ist. Er begrüßt die insgesamt sehr breit aufgestellte Forschung:  „Die Region verfügt über eine bemerkenswerte Konzentration von technischem Know-How: Neben dem Max-Planck-Institut haben wir die Universität Erlangen-Nürnberg, die Technische Hochschule Nürnberg und zahlreiche außeruniversitäre Einrichtungen, wie die Fraunhofer-Institute und das Helmholtz-Institut, die sich hier angesiedelt haben. Darauf können wir stolz sein.“ Bisher gebe es allerdings ausschließlich in Südbayern eine Ansammlung von Max-Planck-Instituten.  „Gerade Nürnberg ist prädestiniert für weitere Max-Planck-Institute. In welcher Stadt lassen sich Themen wie Menschenrechte oder Arbeitsmarktforschung besser erforschen als dort?“

Neuer Freundeskreis des Max-Planck-Instituts

Das Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts in Erlangen ist als 81. Institut eines der jüngsten Mitglieder von derzeit 83 Instituten der Max-Planck-Gesellschaft, die Grundlagenforschung im Dienst der Allgemeinheit betreiben. Interessierte an der Forschung des Instituts haben die Möglichkeit, dem gerade gegründeten Freundeskreis beizutreten und über weitere Veranstaltungen informiert zu werden (MPLpresse(at)mpl.mpg(dot)de).

 

Kontakt 

Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts
Prof. Gerd Leuchs
E-Mail: gerd.leuchs@mpl.mpg.de 

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel. 09131- 7133 807
E-Mail: MPLpresse(at)mpl.mpg(dot)de